Engelbert Seibertz – Ein Selbstporträt

„Nun werde in Gottes Namen Maler und vermehre die hungrige und leichtsinnige Zunft um einen widerspenstigen Kopf!“ Diese erbosten Worte eines besorgten Vaters erlösten einen leidenschaftlichen Jungen von der Pflicht, die über Generationen geführte juristische Familientradition fortzuführen und seinen Traum zu leben: Maler sein. Engelbert Seibertz hatte seinem strengen Vater Johann Suibert manches abverlangt. Schon als Kind interessierten ihn Malpalette und Pinsel weitaus mehr als die Schule. Zehn Jahre Klavierunterricht absolvierte er nur mürrisch, und als er sich später in die protestantische Sängerin Franziska Köckert verliebte, zog er sich erneut den Zorn des Vaters zu.

Aber Engelbert Seibertz ging seinen Weg: Kunstakademie Düsseldorf, Königliche Kunstakademie München. Er hinterließ Spuren im Maximilianeum, illustrierte Goethes „Faust“ und Schillers „Wallenstein“ und wurde ein bekannter Künstler.

Auf dem 1865 entstandenen Selbstporträt zeigt sich der Sauerländer Künstler im Alter von 52 Jahren. Sein in einen schwarzen Mantel gehüllter Körper füllt die ganze Bildfläche aus. Links sieht man die angeschnittene Staffelei, rechts einen in Falten gelegten Vorhang und die Rücklehne eines Stuhls. Der Künstler hat den Körper zum Werk gewandt. Er schaut über die linke Schulter. Dabei wendet er den Blick nicht nur dem Betrachter, sondern sich selbst in einem Spiegel zu.  Pinsel und Palette in der Hand sowie die Staffelei deuten darauf hin, dass er sich in einem Schaffensprozess befindet. Die farbige Palette lässt Gedanken an seine künstlerische Kreativität zu.

Der 1813 in Brilon geborene Engelbert Seibertz war ein bedeutender Porträt- und Historienmaler. Seine zahlreichen Werke gehören zum Sammlungsschwerpunkt des Sauerland-Museums. Hier befindet sich der Nachlass. Einige Ölgemälde und eins seiner Skizzenbücher können Sie in der Dauerausstellung sehen. Beeindruckend sind nicht nur die Gemälde, sondern auch das originale Equipment, bestehend aus Maltisch, Pinsel und buntfarbiger Palette.

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