Zeitkapsel für die nächsten Generationen

Die Tradition der Grundsteinlegung wird seit Jahrhunderten weltweit gepflegt. Man legt einen Grundstein, um den Bau eines Gebäudes offiziell und feierlich einzuleiten. Die symbolische Zeremonie soll allen Beteiligten Glück und Frieden bringen. Dabei stimmt der Zeitpunkt der Grundsteinlegung meistens gar nicht mit dem tatsächlichen Baubeginn überein. Dieser ist heute oftmals verbunden mit dem ersten Spatenstich, einem weiteren Brauch, ebenso wie das Richtfest und die Einweihung des neu errichteten Gebäudes.

Grundsteine können ganz unterschiedlicher Art sein. Ein Grundstein kann mit einer Inschrift versehen und für alle sichtbar platziert werden. Er kann aber auch eine Kapsel sein, die z. B. mit aktuellen Dokumenten gefüllt und anschließend in eine Mauer zementiert wird, um erst für nachfolgende Generationen zu einem Zeitzeugnis zu werden.

In früheren Zeiten wurden mitunter sogar Bauopfer gebracht. Solche Opfer konnten Lebewesen oder Gegenstände sein. Sie wurden eingemauert, um das Gebäude und seine Bewohner zu schützen. Bauopfer galten bis ins Mittelalter als Schutzmittel gegen Blitz, Brand , Krankheit und Hexenzauber und waren bei vielen Kulturvölkern verbreitet. Belege für dieses Brauchtum findet man mitunter noch heute bei Umbauarbeiten oder Hausabbrüchen: Manchmal werden Münzen, Heiligenfiguren, Skelette oder sogar mumifizierte Katzen gefunden. Sie zeugen von einer Tradition, die durchaus als Vorläufer der Grundsteinlegung gedeutet werden kann.

Weltweit ist der Brauch in verschiedenen Variationen anzutreffen. In Thailand z. B. stellen die Bauherren die ersten geweihten und geschmückten Säulen des neuen Hauses selbst auf. Dieser symbolische Akt soll Glück bringen.

Auch wir pflegen die Tradition der Grundsteinlegung. Vor den Augen zahlreicher Gäste legte der Bauherr, Landrat Dr. Schneider, ein kupfernes Rohr in eine Mauernische, lud eine gut gefüllte Kelle Speis darauf und vollzog damit die feierliche Zeremonie. Zuvor hatte Architekt Martin Bez das Rohr mit einer aktuellen Tageszeitung, den Bauplänen und ein paar Euromünzen gefüllt und es dann durch ein paar symbolische Hammerschläge fest verschlossen. Die Zeitkapsel bleibt nun für immer im Gemäuer und wird vielleicht in ein paar hundert Jahren das Leben vergangener Zeiten bezeugen.

 

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