Meißner Jagdpokal wird für Ausstellung „aufgehübscht“

Meißner Jagdpokal

In der Frühzeit jagte man ausschließlich, um sich Nahrung zu beschaffen. Die Jagd war damit eine reine Überlebensstrategie. Im Laufe der Zeit wandelte ihre Funktion sich mehr und mehr. Jagdtechniken wurden immer ausgefeilter. Im Barock schließlich gelangte die Jagd zur vollen Blüte. Zwar war die Versorgung der Hofküche weiter ein Motiv, viel mehr Bedeutung erlangte aber der gesellschaftliche Aspekt. Das Jagen diente dem Vergnügen und Zeitvertreib des Landesherrn und einer adeligen Gesellschaftsschicht. Es war ein Statussymbol.

Ein ganz besonderer Freund der hohen Jagd war Kurfürst Clemens August. Seine Leidenschaft galt der Parforcejagd. Das ist eine Hetzjagd, die mit langen und schnellen Geländeritten verbunden ist. Die Jagdhelfer spüren mit Hunden das Wild im Unterholz auf, treiben es dann in eine Richtung und die Reiter hetzen die Beute bis zur völligen Erschöpfung. Die Hunde und Pferde dafür kaufte der Kurfürst in England. Das zeigt, wie wichtig ihm eine stattliche, erfolgreiche Jagd war. Im Vordergrund stand weniger das Töten als vielmehr der sportliche Aspekt. Seine bevorzugten Jagdgebiete waren der Kottenforst bei Bonn und der Arnsberger Wald. Noch heute erinnert die Tiergartenstraße daran.

Im Jahr 1724 feierte der Kurfürst eine besonders erfolgreiche Jagd mit vielen Trophäen. Der Landtag fand in diesem Jahr in Arnsberg stattfand. Nach den Verhandlungen ging der Kurfürst mit seinen Gästen zur Jagd. Nach sechs Jagdtagen waren 39 Hirsche mit mindestens 10 Enden erlegt, 23 davon allein vom Kurfürsten.

Zu Ehren ihres Kurfürsten gaben die westfälischen Landstände einen Jagdpokal in Auftrag. Der 35 cm hohe Pokal stammt aus der staatlichen Porzellanmanufaktur Meißen. Der Pokalschaft ist als Eichenbaum geformt. An dem Baumstamm lehnt ein Jäger, der zur Jagd ins Horn bläst. Zu seinen Füßen liegt ein bereits erlegter Hirsch. Den Pokaldeckel ziert eine Strohhütte. Ein Hirsch hat sich auf das Dach geflüchtet und rettet sich vor der aufgebrachten Hundemeute. Genau so eine Szene hat Clemens August auf einer seiner zahlreichen Jagden erlebt.

Der originale Pokal befindet sich im Emslandmuseum Schloss Clemenswerth. Eine wunderbare, frisch restaurierte Replik ist gerade aus Meißen zurück nach Arnsberg gekommen.

Ein Hirsch rettet sich vor der Hundemeute

Ein Jäger bläst zur Jagd ins Horn

 

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