Volontärin und August Macke

Groß, bunt und selbstbewusst weht das Banner für die August Macke-Ausstellung seit ein paar Tagen vor dem Museum. Jetzt sehen auch die Passanten auf dem Steinweg und an der Ruhrstraße, dass es ernst wird. In sechs Wochen wird der Neubau mit der ersten Sonderausstellung eröffnet. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen für die Ausstellung schon seit Jahren auf Hochtouren. Synchron mit den Arbeiten der Handwerker auf der Baustelle haben meine KollegInnen an ihren Schreibtischen ein Konzept erarbeitet und die Idee einer Kunstausstellung über den berühmten Expressionisten August Macke mit Leben gefüllt. Die Arbeiten der Handwerker sind schon lange auch von außen sichtbar, die meiner KollegInnen wird man erst wahrnehmen, wenn die Ausstellung eröffnet ist.

Ich befasse mich mit „Macke“ erst seit wenigen Wochen ganz intensiv. Davor waren es immer nur einzelne, operative Aufgaben, die mich kurz an ihn denken ließen. Jetzt aber, so kurz vor der Ausstellung, träume ich jede Nacht von ihm. Ich bin fasziniert, wie aufwändig die Organisation einer Kunstausstellung ist. Viele der Bilder befinden sich in privater Hand und jeder einzelne Leihgeber muss von der Wertigkeit der Ausstellung überzeugt werden. Jeder Einzelne dieser Leihgeber hat verschiedene Anforderungen an den Transport oder die Präsentation der Bilder – mal ist ein Klimarahmen gewünscht, mal eine Staubhaube, ein anderer plant seinen Sommerurlaub und kann die Bilder nur an bestimmten Tagen von einem Kunsttransporteur abholen lassen. Das alles klingt erst einmal wenig spannend, aber wenn die Ausstellung eröffnet ist, werde ich vor jedem einzelnen Bild stehen und an meine endlosen Listen mit allen Details und Extrawünschen denken. Ich werde mich aber auch an die Freudenschreie aus den Nachbarbüros erinnern, wenn wieder ein Leihgeber nach dem gefühlt tausendsten Telefonat den Vertrag unterschrieben zurückgesandt hat.

Wenn ich dann durch die Räume gehe, werde ich an die Ängste und Nöte um die Fertigstellung denken. Und dann, das weiß ich jetzt schon mit Sicherheit, werde ich mir einen Schwarztee machen und mich wieder an meinen Schreibtisch setzen und die nächste Ausstellung – eine Ausstellung über den Tourismus – vorbereiten. Ähnlich wie bei August Macke muss eine Idee mit Leben gefüllt werden. Das Resultat können Sie ja dann selber bewundern.

 

 

 

 

 

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