Der Bergknappe aus Porzellan – Ein Familienerbstück der Industriefamilie Unkraut
Seit dem Mittelalter wurde im Sauerland Bergbau betrieben. Frühe Funde belegen den Abbau von Eisenerz und Mineralien, der sich bis in die Zeit der Industrialisierung erstreckt. Neben mehreren Stollen gab es auch zahlreiche Hütten- und Hammerwerke, die das Eisenerz direkt weiterverarbeiteten. Gusseiserne Öfen waren bis zum 18. Jahrhundert eine beliebte Ware. Erst mit dem Bau der Ruhrtalbahn wurde die Verarbeitung der abgebauten Erze ins Ruhrgebiet verlegt.
Die Montanindustrie im Sauerland war in der Hand einzelner Unternehmer und Industriefamilien, dem sogenannten Sauerländer Industrieadel. Im Briloner Raum war es die Familie Kannegießer-Unkraut, die im Besitz der Olsberger Hütte und Hoppecker Hütte war. Sie galt damals als eine der einflussreichsten Familien der Region.
Das Museum Haus Hövener in Brilon, ehemaliger Wohnsitz der Familie Unkraut und später Hövener, präsentiert in seiner Dauerausstellung eine große Auswahl an Familienerbstücken. Zu dieser Sammlung gehört auch eine außergewöhnliche Figur aus der Zeit um 1900, die mehr als nur ein dekoratives Objekt ist: Sie verbindet kunsthandwerkliche Eleganz mit einer klaren Botschaft über die industrielle Vergangenheit des Sauerlandes.
Die Porzellanfigur ist 22,5 cm hoch und zeigt einen Bergknappen in voller Uniform, der auf einem flachen Sockel steht. Er trägt eine weiße Hose, eine schwarze Jacke mit goldenen Knöpfen, einen roten Umhang sowie einen schwarzen Uniformhut, auf dem ein goldenes Bergmannszeichen prangt. In seinen Händen hält er eine kleine Froschlampe und eine lange Axt, das sogenannte Häckel, das typisch für das Bergmannshandwerk ist.
Technisch gesehen handelt es sich bei der Figur um eine funktionierende Öllampe. Das Oberteil des Bergknappen lässt sich abnehmen, sodass im Bauch ein kugelartiges Ölbehältnis freigelegt wird. Durch die Froschlampe in der Hand des Knappen wird das Licht entzündet – ein dezenter, aber wirksamer Hinweis darauf, wie das tägliche Leben im Bergwerk von Lichtquellen abhängig war.
Aktuell steht diese Öllampe in unserer Sonderausstellung „Macherland. Wo Industrie Geschichte schreibt“, die noch bis zum 04. April 2027 zu sehen ist. Dort repräsentiert sie mit ihrer Form eines festlich gekleideten Bergmannes die prägende Zeit des Bergbaus im Sauerland.
Bild: Alexandra Zander
